Rummel um Rommel

Der SPIEGEL widmete dem legendären Feldmarschall des Zweiten Weltkriegs eine Titelgeschichte. Die BILD-Zeitung startete sogar eine Serie, „um den Mythos Wüstenfuchs zu erklären“. Die ARD räumte Hitlers Lieblingsgeneral zur besten Sendezeit mit einem Film 150 Minuten ein. Bei allen lag das Schwergewicht der Berichterstattung auf Rommels Gewissenskonflikt im persönlichen Verhältnis zu Hitler – gehorchen oder putschen?

Aber einer Frage gingen die Medien nicht auf den Grund: Warum war der General bei der Truppe so beliebt?

Aufschluss geben die Memoiren des ehemaligen Regierungssprechers unter Kanzler Willy Brandt und späteren UN-Botschafters, Rüdiger Freiherr von Wechmar: „Akteur in der Loge“ (Siedler-Verlag). Blutjung, gerade mal Neunzehn, kämpfte er als Fahnenjunker-Gefreiter in der Panzer-Aufklärungsabteilung 3 (AA3) im Afrika-Korps unter Rommel gegen die Briten.

„An einem Morgen während des Vormarsches nach El Alamein“ (schreibt er), musste die Aufklärungsabteilung vor einem Minenfeld halten, und der Kommandeur befahl Pioniere nach vorn, um eine Gasse durch das Feld räumen zu lassen. Solche Minenfelder gab es viele in der Wüste. Manche waren sorgsam mit kleinen Schildern gekennzeichnet, um Freund und Feind vor dem Weiterfahren zu warnen. An so einem Sperrgebiet waren wir zum Stehen gekommen. Wie die in englischer Sprache abgefassten Warnschilder zeigten, war es ein britisches Minenfeld.

Während wir noch auf die Pioniere und Räumarbeiten warteten, tauchte hinter uns eine Staubwolke auf. Fahrzeuge näherten sich in großer Geschwindigkeit: General Rommel in seinem Befehlspanzer, einem erbeuteten britischen ‚Mammut’ mit aufgemaltem deutschen Balkenkreuz und Begleitschutz. Er rief nach dem Kommandeur und verlangte eine Erklärung, warum die AA3 den Vormarsch nicht fortsetzte. Unser Major zeigt auf das Minenfeld und berichtete von seinem Befehl an die Pioniere. Rommel blickte kurz nach vorn, dann strafend auf den Kommandeur und befahl: ‚Fahren Sie hinter mir her!’

Sprach’s, fuhr allen voraus direkt in das Minenfeld hinein. Und nichts passierte! Es war nur eines jener Schein-Minenfelder, wie sie die britische 8. Armee an vielen Stellen angelegt hatte, um unser Vorgehen zu verlangsamen. Rommel hatte wieder einmal den richtigen Riecher gehabt. Es hätte genauso gut schief gehen können.

Ein anderes Mal war ich mit meinem Spähwagen aus der Kolonne ausgeschert, um aufzutanken. Wieder die Staubwolke, wieder der ‚Mammut’ mit Rommel. Er führte, wie so oft, das Afrikakorps von vorn (gemeint: nicht von einem Hauptquartier im sicheren Hinterland). Sein Befehlspanzer hielt neben mir, und Rommel rief herüber (obwohl er genau sehen konnte, was gerade geschah):

‚Warum stehen Sie hier?’

‚Wir tanken, Herr General!’, meldete ich zurück.

‚Fahre Sie, fahre Sie, dann brauche Sie net zu tanke!’, scholl es im schönsten Schwäbisch zurück.

Rommel rückte sich die berühmt gewordene Staubbrille von der Mütze wieder vors Gesicht und brauste ab.“

Solch einen Vorgesetzten lieben, ja verehren Soldaten. Zu allen Zeiten.

Ein Gedanke zu “Rummel um Rommel

  1. Rommel befehligte die 7.Panzerdivision im Frankreich-Feldzug. Da ging ich noch zur Schule. Ein Jahr später war ich als Panzergrenadier in dieser Division. Der neue Divisionskommandeur hieß Funk. Wenn die “alten” Obergefreiten uns irgendwo in Russland mit glänzenden Augen von Frankreich erzählten, dann hieß das: “Früher wurde von vorne gerommelt, heute wird von hinten gefunkt.”

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